Last Update: 22.06.10

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MATRIX RELOADED

The Matrix Reloaded

 

USA 2003 - 138 Minuten - Budget $150.000.000

 

Regie: Andy Wachowski, Larry Wachowski

Drehbuch: Andy Wachowski, Larry Wachowski

 

 

Mit Keanu Reeves (Neo), Laurence Fishburne (Morpheus), Carrie-Anne Moss (Trinity), Hugo Weaving (Agent Smith), Jada Pinkett Smith (Niobe), Gloria Foster (The Oracle), Harold Perrineau (Link), Monica Bellucci (Persephone), Harry Lennix (Commander Lock), Lambert Wilson (Merovingian), Randall Duk Kim (Keymaker), Nona Gaye (Zee), Anthony Zerbe (Councillor Hamann), Helmut Bakaitis (The Architect), Neil Rayment (Twin #1), Adrian Rayment (Twin #2)

         

s.a. MATRIX REVOLUTIONS

         

USA

Das Sequel brach mit $42,5 Mio. den Starttagsrekord, überschritt am dritten Tag die $100 Mio.-Marke, stellte mit $158.242.565 in den ersten sieben Tagen einen neuen Startwochenrekord auf und hatte mit 8.517 Kopien einen neuen Breitenrekord aufgestellt. Schon am neunten Tag wurde das Gesamtergebnis des ersten Teils ($171,5 Mio.) überschritten. Nach nur elf Tagen überschritt er als zweitschnellster Film aller Zeiten die $200 Mio.-Marke.

 

DEUTSCHLAND

Die Fortsetzung hat mit 1.788.781 Besuchern am ersten Wochenende das achtbeste Startwochenende, den zweitbesten Mai-Start und den besten Start eines Films mit der Altersfreigabe ab 16 Jahre erzielt. 1.124 Kopien bedeuten den viertbreitesten Start aller Zeiten. Nach nur zehn Tagen wurde die 3 Mio.-Besucherhürde überschritten. Am siebten Wochenende wurde das Erstaufführungsergebnis des ersten Teils (4.507.780 Besucher) übertrumpft.

     
US-Start: 15.05.2003 - R (*Ein Tag)
Wo. Rang Einspiel $ % Kinos Schnitt Gesamt $
0* 2 42.508.303 --- 3.603 11.798 42.508.303
1 1 121.361.422 --- 3.603 33.683 163.869.725
2 1 53.144.080 -56 3.603 14.750 217.013.805
3 4 21.578.606 -59 3.453 6.249 238.592.411
4 5 13.148.804 -39 3.225 4.077 251.741.215
5 8 8.717.735 -34 2.350 3.710 260.458.950
6 10 5.945.386 -32 1.850 3.214 266.404.336
7 12 3.977.793 -33 1.488 2.673 270.382.129
8 13 2.410.930 -39 801 3.010 272.793.059
GESAMT 281.519.061
 
D-Start: 22.05.2003 - 16 J.
Wo. Rang Besucher % Kinos Schnitt Gesamt Besucher
1 1 2.485.221 --- 1.124 2.211 2.485.221
2 1 933.566 -62 1.127 828 3.418.787
3 1 509.563 -45 1.099 464 3.928.350
4 2 266.151 -48 1.028 259 4.194.501
5 3 171.489 -36 819 209 4.365.990
6 6 115.080 -33 535 215 4.481.070
7 6 69.176 -40 404 171 4.550.246
8 8 31.893 -54 285 112 4.582.139
9 12 20.805 -35 182 114 4.602.944
GESAMT 4.773.455

 

Mark G.

Ich kann mich noch gut an den Sommer vor vier Jahren erinnern. Der erste Matrix-Film lief seit geraumer Zeit in meinem Kino, ich hatte aber wie üblich keine Zeit, mir den Film anzusehen. Bei diversen Kontrollgängen sah ich zwar ein paar Szenen, wollte aber eigentlich darauf warten, den Film bei meinem jährlichen Aufenthalt in La-La-Land zu sehen, was ich dann auch tat. Hätte ich nicht noch einen anderen Termin an diesen Tag gehabt, wäre Matrix der erste Film meines Lebens geworden, dem ich auf der Stelle einen zweiten Kinobesuch abgestattet hätte. Im Gegensatz zu vielen Bekannten, die erst beim zweiten Sehen zu Fans wurden, war ich sofort hin und weg. Seitdem habe ich Matrix achtmal gesehen (ein persönlicher Rekord), kaufte die erste DVD meines Lebens und entdecke immer noch kleine Details, die mir bislang verborgen geblieben sind.

Als ich erfuhr, dass die Wachowski-Brüder noch mehr in petto haben und 2003 das Jahr der Matrix-Sequels werden würde, war ich natürlich Feuer und Flamme - zu sehr Feuer und Flamme. In den letzten Wochen dämpfte ich meine Erwartungen deutlich, da ich mir der (Un)Wahrscheinlichkeit bewusst wurde, dass ein Sequel eines für mich perfekten Films (Note 1+), besser sein würde als das Original. Ich sagte mir, dass ich zufrieden sein sollte, wenn bei Matrix Reloaded eine Note 2 herauskommt. Und ich kann jedem nur dasselbe empfehlen.

Zuallererst würde ich aber niemanden empfehlen, den Film zu sehen, der den ersten Film nicht auch gesehen hat und/oder nicht vor hat, auch noch Matrix Revolutions zu sehen. Denn obwohl ein halbes Jahr zwischen Teil I und Teil II liegt, knüpft die Geschichte doch nahtlos an. Zudem werden in Reloaded mehr Fragen gestellt als beantwortet. Dies ist auch das Hauptmanko des Films, er funktioniert nicht als eigenständiger Film, er ist eigentlich nur ein 138 Minuten langer und $150 Mio. teurer Prolog zum dritten und (wohl) letzten Teil.

Das zweite Manko hängt damit zusammen. In der ersten Hälfte des Films gibt es ein paar Durchhänger, und wir wissen nicht, ob wir einfach nur überflüssige Szenen gesehen haben oder ob sie Teil der Exposition sind und eine wichtige Rolle in Revolutions spielen werden. Überhaupt muss sich das Actionpublikum darauf einstellen, Dialoge zu hören, die nur bei äußerster Konzentration Sinn ergeben (ist in der Zukunft eigentlich jeder Mensch auch ein Philosoph?) bzw. nachvollziehbar sind. Auf jeden Fall gibt es aufgrund der angepackten Themen und unbeantworteten Fragen genügend Diskussionsstoff für mehrere Abende.

Aber es gibt ja auch noch die Action (klitzekleine Spoiler, die aber auch schon im Vorspann zu sehen waren). Und da haben die Wachowskis noch einmal eins draufgesetzt. Da gibt es zum Beispiel die inzwischen berühmte Highway-Szene. Es genügt den Brüdern nicht, dass die Helden nur von einem Gegenspieler - den Twins - verfolgt werden. Zeitgleich müssen sie sich auch noch gegen den Straßenverkehr, Polizisten und Agenten durchsetzen - eine furiose Sequenz. Oder der Kampf gegen den Agenten Smith, da genügt nicht mehr ein Mr. Smith, es müssen einhundert sein - die Gelüste des Actionpublikums werden also durchaus gesättigt.

Was bleibt ist ein Film, den ein Matrix-Fan respektiert, aber nicht liebt. Vielleicht brauche ich ja dieses Mal eine zweite Sicht - und die ist natürlich schon fest eingeplant...

2-
Pi-Jay

Was ist die Matrix? war die zentrale Frage des ersten Teils - und es brauchte einen Großteil der Filmzeit, um sie zu klären. Inzwischen sind vier Jahre vergangen, wir wissen, was die Matrix ist, und die atemberaubenden Effekte des ersten Teils, die ein ganzes Genre revolutionierten, wurden geradezu inflationär von anderen Filmemachern missbraucht. Können uns die Wachowskis etwas Neues erzählen? lautet also die Frage, die sich jetzt stellt.

Sie können - und sie erzählen uns eine ganze Menge. Technisch gesehen ist Matrix Reloaded auf der Höhe der Zeit, eine kongeniale Weiterentwicklung der Bildsprache des ersten Teils. Genussvoll zelebrieren die Wachowskis ihre digitale Effektorgie, protzen mit der atemberaubendsten Verfolgungsjagd, den coolsten Klamotten und spektakulärsten Kampfszenen: Matrix Reloaded ist ein gigantischer Comicstrip in 3D, ein von Sakralmusik untermalter Gottesdienst des Actionkinos.

Aber das alles allein würde der Matrix-Trilogie noch nicht zu dem Kultstatus verhelfen, den sie besitzt. Wie schon die Macher von Blade Runner beschäftigen sich auch die Wachowskis mit existenziellen Menschheitsfragen. Im ersten Teil ging es um Schein und Sein, um die bange Frage, wie wirklich unsere Wirklichkeit ist, eine Frage so alt wie die Menschheit und in unserer Welt omnipräsenter Medien aktueller denn je. Die Fortsetzung beleuchtet dagegen ein anderes philosophisches Problem und wirft die Frage auf, ob wir alle nur Spielbälle des Schicksals sind, dazu bestimmt, einen höheren Plan zu erfüllen, oder ob wir die Möglichkeit haben, unsere eigenen Entscheidungen zu treffen und unser Schicksal selbst zu bestimmen.

Die Wachowskis wollen alles, sie wollen ein atemberaubendes Actionfeuerwerk und eine intelligente Handlung. Immerhin, im ersten Teil gelingt es ihnen, ihrer Geschichte mit Witz und Ironie und etlichen philosophischen und literaturhistorischen Anspielungen eine gewisse Tiefe zu verleihen. Doch in Teil 2 kommt alles viel ernster daher und wird mit geradezu wagnerianischer Schwere präsentiert. Die vielen Debatten über das Schicksal, Prädestination und das Kausalitätsprinzip ermüden nur und stehen der Action im Weg; vor allem die erste Hälfte hat etliche Längen. Andererseits verhindert die rasante Action, dass man in Ruhe über das Gesagte nachdenken und die vielen - zu vielen! - Storyfäden entwirren kann. Weniger wäre mehr gewesen.

Auf der Strecke bleiben dabei leider auch die Figuren. Neo, den Zweifler des ersten Teils, unseren Bruder im Geiste, der unter all dem Lebensschaum die schmutzige, traurige Realität entdeckt, gibt es nicht mehr. Übrig geblieben ist nur der Messias, der Halbgott, der fliegen und Tote erwecken kann, und würde uns nicht immer wieder gesagt, dass er nur ein Mensch ist, niemand würde es glauben. In der Matrix ist alles möglich, was man sich vorstellen kann - und die Wachowskis können sich eine Menge vorstellen. Leider macht das die Handlung so beliebig, erzeugt emotionale Distanz und zwingt die Macher, die Herausforderung ins Unermessliche zu steigern: Neo muss die gesamte Menschheit retten, darunter geht es nicht mehr. Aber wie alle Figuren - Morpheus, der Krieger, Smith, der gefallene Engel, und ein neuer Judas, dessen zukünftige Rolle man bestenfalls erahnen kann - muss auch Neo erkennen, dass er nur Teil eines perfiden Spiels ist. Gott - oder, prosaischer, der Architekt (der Matrix) - selbst enthüllt ihm diese Wahrheit. Und hier schließt sich der Kreis: Die Erkenntnis der Wahrheit hat im ersten Teil Neo aus seiner Sklaverei befreit, aber jetzt, am Ende der Fortsetzung, muss er befürchten, dass all das nichts als eine weitere Illusion sein könnte. Die Antwort wartet irgendwo da draußen - spätestens bis zum 6. November ...

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