Last Update: 22.06.10

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FAHRENHEIT 9/11

Fahrenheit 9/11

 

USA 2004 - 121 Minuten - Budget $6.000.000

 

Regie: Michael Moore

Drehbuch: Michael Moore

 

 

Dokumentarfilm

         

USA

Schon am ersten Wochenende brach F9/11 den Dokumentarfilmrekord von Bowling for Columbine ($21,6 Mio.).

 

DEUTSCHLAND

Bei uns verbesserte F9/11 den Dokumentarfilmstartwochenrekord von Deep Blue (113.067 Besucher) um 94 %.

     
US-Start: 23.6.2004 - R
Wo. Rang Einspiel $ % Kinos Schnitt Gesamt $
Mi. 28 158.322 --- 2 79.161 158.322
1 2 38.933.041 --- 868 44.854 39.091.363
2 2 29.998.741 -23 1.725 17.391 69.090.104
3 4 17.718.483 -41 2.004 8.842 86.808.587
4 5 11.547.137 -35 2.004 5.762 98.355.724
5 7 7.977.885 -31 1.855 4.301 106.333.609
6 10 5.054.410 -37 1.217 4.153 111.388.019
7 14 3.087.832 -39 1.009 3.060 114.475.851
8 15 1.688.772 -45 716 2.359 116.164.623
GESAMT -
 
D-Start: 29.7.2004
Wo. Rang Besucher % Kinos Schnitt Gesamt Besucher
1 3 219.433 --- 208 1.055 219.433
2 3 154.872 -29 212 731 374.305
3 4 173.551 +12 213 815 547.856
4 6 138.152 -20 211 655 686.008
5 8 114.701 -17 213 539 800.709
6 - - - - - -
7 - - - - - -
8 - - - - - -
9 - - - - - -
GESAMT -

 

Mark G.

Es war äußerst interessant, diesen Film mit amerikanischem Publikum zu sehen, das meiner Meinung nach wesentlich mehr mit Fahrenheit 9/11 anfangen kann, als wir Europäer. Das liegt aber nicht daran, dass hier oder dort der Hass auf George Dabbelju größer oder kleiner wäre, sondern an der Tatsache, dass (noch) investigativer Journalismus in den europäischen Medien weiter verbreitet ist und vieles was Michael Moore in seinem neuen Dokumentarfilm aufbereitet, absolut nichts neues darstellt - zumindest für politisch interessierte Menschen. Dennoch gab es auch für mich ein paar Details, die ich noch nicht kannte, außerdem ist es angenehm, alle Fakten schön zusammen geschnürt in einem Paket serviert zu bekommen.

Fakten? Habe ich den Eindruck, dass Moore tatsächlich nur Fakten zusammen getragen hat? Mehr oder weniger ein deutliches Ja. Er stellt zwar einige seltene Male Zusammenhänge her, die nur bestehen, wenn sie in einem Atemzug genannt werden, aber ansonsten denke ich, dass Moore vor jedem ordentlichen Gericht bestehen würde.

Fragwürdiger ist die Tatsache, dass er Szenen von Politikern verwendet, die während der Schminkphase aufgenommen wurden (das ist noch okay, da werden einige unschöne Dinge ans Licht gebracht) und diese dann aber mit Zeitlupe leicht verfremdet. Da verlässt Moore Dokumentarfilm-Territorium und F9/11 wird zum Propagandafilm. Aber Moore hat ja auch ein Ziel, er will, dass Bush diesen November abgewählt wird.

In den 80er Jahren hat es Ronald Reagan irgendwie geschafft, dass "liberal" in den USA ein Schimpfwort wurde und Moore ist nicht jemand, der verschämt die Schuhe betrachtet, wenn er als Liberaler oder Linker beschimpft wird. Deswegen konnte er zur Galionsfigur der Linken werden und das ist auch gut so. Denn heute wird Amerika nur noch von sechs Medienunternehmen beherrscht, die meisten davon sind völlig unpolitisch, dafür ist die News Corp. (u.a. 20th Century Fox) von Rupert Murdoch ein Sprachrohr für die Rechten, der Nachrichtensender Fox News in seiner Berichterstattung könnte manch einer als faschistoid bezeichnen. Talk Radio wird von erzkonservativen Moderatoren beherrscht, selbst das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist in seiner Berichterstattung zu über 60 % auf der konservativen Seite wie eine Erhebung kürzlich festgestellt hat. Und das Beste: Wann immer ein negativer Bericht über Republikaner erscheint (kommt eh selten genug vor), machen diese die sogenannten "liberalen Medien" dafür verantwortlich!

Deswegen ist Moore so wichtig, er kritisiert nicht nur Bush und seine korrupten Freunde, er kritisiert ebenso die kritiklosen Medien und die unterwürfigen Demokraten. Schade nur, dass man dazu ins Kino gehen muss...

Dennoch muss ich eingestehen, dass ich ein wenig enttäuscht bin, eigentlich hatte ich mir eine härtere Gangart von Moore vorgestellt. Trotz der Fülle an Informationen vermisse ich doch ein paar wichtige Aspekte, u.a. kam der Patriot Act in meinen Augen zu kurz. Der Drang Moores, zu unterhalten, kam dem wohl zu sehr entgegen.

Außerdem hätte es nicht geschadet, in einem kurzen Nebensatz zu erwähnen, dass Saddam Hussein ein blutrünstiger Diktator gewesen ist. Moore erweckt mit der Auswahl seiner Bilder den Eindruck, als ob die USA in das Paradies auf Erden einmarschiert wären.

Da ich aus einer Familie komme, die sowohl unter den Nazis, als auch unter den Kommunisten gelitten hat, war es mir quasi in die Wiege gelegt, ein Liberaler (nicht im FDP-Sinne) zu werden. Deswegen ist die wehrhafte Demokratie für mich nicht nur ein Schlagwort. Sie muss von innen von Leuten wie Michael Moore verteidigt werden, aber auch von außen. Deswegen habe ich kein Problem damit, dass Despoten und Diktatoren - auch gewaltsam - entfernt werden (bei Slobodan war's ja auch okay...). Allerdings sollte dies unter den richtigen Vorraussetzungen geschehen, und nicht unter so verlogenen, illegalen und unfähigen Umständen wie im letzten Jahr...

Zurück zum Film: In der Mitte gibt es ein paar Längen, ansonsten spielt der Film auf der Klaviatur der Emotionen - Gelächter, Tränen, Wut. Übrigens ist Michael Moore Superstar im Gegensatz zu Bowling for Columbine in diesem Film kaum zu sehen.

Als Dokumentarfilm verdient er die Note 3, als Propagandafilm eine 1, als Film eine 2.

2
Pi-Jay

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